Erstes Null-Energie-Bilanz Hotel in Wien öffnet Ende November
Hotelchefin Michaela Reitterer mag keine halben Sachen. Auch das Hotellogo aus integrierten LED-Lampen ist Bestandteil des Umweltprogramms, das konsequent im ganzen Haus umgesetzt wird. Von oben bis unten und bis ins kleinste Detail gilt hier Energie sparen - und selbst produzieren: thermische Sanierung eines Altbaus, daneben ein Neubau mit Passivhaus-Standard, dazu Sonnenstrom, solare Wärmegewinnung, ein Brunnen mit Wärmetauscher und - wenn die Genehmigung erteilt wird - sogar Windräder auf dem Dach.
Mitten im Gründerzeitviertel des 15. Wiener Gemeindebezirk ensteht das - vermutlich weltweit - erste Null-Energie-Bilanz Hotel. Reitterer: "Das Haus ist nicht energieautark, weil wir keinen Pufferspeicher haben. Der Stromüberschuss, den wir tagsüber ins Netz einspeisen, holen wir uns, wenn's dunkel ist, wieder zurück."
Wenn die Hotelchefin durch ihr Haus und ihre Baustelle in der Hackengasse 20 führt, ist es, als würde man ein Energieseminar für Fortgeschrittene besuchen. Dabei hatte sie sich das alles selbst nach und nach angeeignet. Wie sie zum Öko-Thema kam? "Ich wurde so erzogen. Mit 19 hab' ich begonnen, Müll zu trennen." Zur fachlichen Kompetenz kommt bei Reitterer nüchterner Hausverstand mit einem Quantum Wiener Schmäh: "Sonne, Wind und Wasser sind eh da - warum soll ich Öl von den Arabern kaufen?"
Abgekauft hatte Reitterer das Hotel Stadthalle im Jahr 2001 ihren Eltern. Ein sanierungswürdiges Objekt mit Etagenduschen in zwei Stockwerken. Der Umbau wurde gleich in Angriff genommen - "und da hab' ich mir gedacht: Bevor ich Ziegel auf's Dach leg', machen wir doch gleich eine Solaranlage." Der große Vorteil dieser Wärmegewinnung: "Darunter wird es einfach nicht heiß. Das ist vermutlich der einzige Ausbau unter einem Schrägdach in Wien, der keine Klimaanlage braucht." Auf den Flachdächern im Innenhof sprießen wiederum Lavendel und Rosen.
Vor einem Jahr wurde dann am Nachbargrundstück mit dem Neubau begonnen. Und mit dem ständigen Tüfteln. Unten die Tiefenbohrung für den Wärmetauscher, oben die Heizung über Betonkernaktivierung - auch dass ausschließlich Energiesparlampen und LED-Leuchtmittel verwendet werden, ist durchaus eine Herausforderung für ein Haus, in dem sich die Gäste wohlfühlen sollen. Nachhaltigkeit findet hier auf allen Ebenen statt: Die Ausstattung wurde teils aus alten Möbeln recycelt und das Hotel hat sogar einen Komposthaufen.
Diverse nationale Umweltauszeichnungen hat das Konzept bereits erhalten. Zudem darf das Boutiquehotel Stadthalle als erstes Hotel in Wien das Europäische Umweltzeichen tragen.
Quelle: Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 29.10.2009
Fotonachweis: www.hotelstadthalle.at
Mehr Infos zum Hotel: www.hotelstadthalle.at
Mehr Infos zu Hotels die eigene Energie gewinnen:
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