Städte verstärken ihr Engagement im Global Compact
„Städte bieten ein außergewöhnliches Spektrum an menschlichen, materiellen und finanziellen Ressourcen“, konstatiert der Global Compact und erläutert, dass genau diese Ressourcen genutzt werden sollten, um die zehn Prinzipien der Initiative in urbaner Umgebung stärker zu verbreiten. Eine Möglichkeit der Partizipation für Städte ist die Teilnahme am „UN Global Compact Cities Programm“ (UNGCCP). „Wirtschaft, Regierung und städtische Gemeinde können gemeinsam praktikable, lokale und nachhaltige Lösungen entwickeln“, erklärt Paul James, Direktor des UNGCCP, das Anliegen des Programms. Das UNGCCP stellt, in Form des „Melbourne Models“, ein konkretes Werkzeug zur Verfügung um interdisziplinären Partnerschaften zu implementieren. Bereits bestehende lokale Kapazitäten in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft werden miteinander verknüpft und besser aufeinander abgestimmt.
Untermauerung des Ziels globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit
San Francisco zeigt mit dem Plan, ein „UN Global Compact Sustainability Center“ zu errichten eine Möglichkeit urbanes Engagement umzusetzen. Unter der Federführung der UN soll die Schiffswerft Hunters Point bis 2012 zu einem ökologischen Leistungszentrum umgebaut werden. Das Gelände zählt laut der amerikanischen Umweltbehörde derzeit noch zu den meist verseuchten Orten des Landes. Dennoch ist Gavin Power, stellvertretender Direktor des UN Global Compact, von den Vorzügen des Standortes überzeugt: „Kalifornien, und insbesondere San Francisco, waren in Punkto nachhaltiger Strategien im Umweltbereich für viele Jahre Spitzenreiter. Alle wichtigen Zutaten sind hier vorhanden – inklusive der technologischen und akademischen Institutionen und den finanziellen und unternehmerischen Ressourcen“. Gavin Newsom, der Bürgermeister von San Francisco betont: „Ein Global Compact Center in San Francisco wird die Verpflichtung der Stadt zur globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit untermauern“. Das Zentrum sei als eine internationale Destination für Wissenschaftler, Unternehmen, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Organisationen gedacht, die sich mit dem Klimawandel und verwandten Themen beschäftigen. Damit werde der Komplex zu einem „Fixpunkt für andere nachhaltig ökologische Unternehmen“ und durch Forschung und Entwicklung neuer Technologien zu einer Ideenschmiede für internationale Klimafragen, fügt er hinzu.
Milwaukee - Süßwasserzentrum der Welt?
Was für San Francisco die Thematik Klima ist, ist für Milwaukee, die jüngste Teilnehmer des Global Compact, das Thema Wasser. Durch das Engagement im UNGCCP möchte die Stadt die Vorreiterstellung der Region im Bereich Wassermanagement unterstreichen und ausbauen. 120 Unternehmen die sich der Wasserbranche zurechnen lassen sind bereits in der Region ansässig, daneben haben die fünf weltgrößten Wasserunternehmen einen Sitz in Milwaukee und Umgebung. „Von der UN als das Süßwasserzentrum der Welt wahrgenommen zu werden ist für uns eine große Ehre und spricht Bände über Milwaukee‘s Stärke in der Wassertechnologie“, sagt Tom Barett, Bürgermeister von Milwaukee. Der Fokus des aktuellen Projekts liegt auf der Entwicklung und Förderung neuer Trinkwassertechnologien, neuer politischer Möglichkeiten und eines neuen Managements in dieser Thematik. „Wir sind stolz die zweite nordamerikanische Stadt zu sein, die dem UN Global Compact Cities Program eintritt und wir glauben, dass wir damit im Wettbewerb um eine wachsende Wasserwirtschaft große Vorsprünge haben“, so Barett.
lokalspezifische Prioritätensetzung in Deutschland
Auch deutsche Mitgliedsstädte setzen auf thematische Spezialisierungen. Berlin konzentriert sich beispielsweise auf den Bereich Gesundheit. HIV/Aids und andere infektiöse Krankheiten treten in urbanen Gegenden häufiger auf als in ländlichen. Der spezifische medizinische Bedarf von Migranten, Kindern und Teenager sowie deren Zugang zu ärztlicher Versorgung sind weitere Herausforderungen der städtischen Gesundheitsversorgung. Das Ziel von Berlin ist es, einen Austausch mit anderen Großstädten zu den Themen Gesundheitsversorgung in Großstädten und sozialer Verantwortung zu ermöglichen. Einen Ärzte-Austauschprogramm, Partnerschaften im Bereich des öffentlichen Gesundheitsmanagements sowie eine Unternehmenskoalition gegen HIV/Aids sind einige der Mittel.
Neben Berlin sind noch zwei weitere deutsche Städte im Global Compact engagiert: Nürnberg und Bonn. Nürnberg ist bereits seit Mai 2003 Teilnehmer und damit die älteste der derzeit 38 Städte weltweit. Der thematische Fokus der Stadt ergibt sich aus ihrer Geschichte. Als Schauplatz der „Nürnberger Rassengesetze“ und „Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse“ liegt die thematische Auseinandersetzung mit Menschrechten auf der Hand. Der Nürnberger Menschenrechtspreis, die jährlich stattfindende internationale Menschenrechtskonferenz oder verschiedene ambitionierte Menschenrechtsprojekte in In-und Ausland sind dafür Beispiele.
Die Stadt Bonn beschreibt sich thematisch hingegen als das deutsche „Kompetenzzentrum für Umwelt, Entwicklung und Gesundheit“ und hat sich institutionell zur „deutschen Stadt der Vereinten Nationen“ entwickelt. Tatsächlich sind viele nationale und internationale Organisationen, die sich mit Themen der Nachhaltigkeit und Ökologie beschäftigen in Bonn ansässig. Beispiele sind hier das UN-Klimasekretariat (UNFCCC), NGOs wie der Forest Stewardship Council (FSC) oder das Sekretariat des Projektes “The Economics of Ecosystems and Biodiversity” (TEEB). Darüber hinaus veröffentlicht die Stadt Bonn einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht.
Derzeit sind 38 Städte Teilnehmer des Global Compact. Allein in den letzten zwei Jahren haben sich 11 neue Städte der Initiative angeschlossen. Die Möglichkeiten der Partizipation sind vielfältig, von der Umsetzung der zehn Prinzipien innerhalb der eigenen Institutionen, über eine Katalysatorfunktion bei ansässigen Unternehmen bis hin zur Teilnahme am „UN Global Compact Cities Programm“ (UNGCCP).
Weitere Informationen (ursprüngliche Meldung): www.globalcompact.de
Foto: W. Broemme/pixelio.de
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