Stuttgarter Klima-Weckruf: Jugendliche drängen Politiker zum Handeln

Über 500 Jugendliche aus 46 Ländern haben auf dem Welt-Jugend-Festival der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) in Stuttgart von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft ein entschlosseneres Handeln für den Klimaschutz gefordert. Zur Vorbereitung auf ihre Workshops diente ihnen ein Szenario-Vortrag des Generalsekretärs des Nachhaltigkeitsrates, Günther Bachmann.

„Hört auf, die Probleme kleinzureden“, schreiben die Jugendlichen in ihrem Weckruf für den Klimaschutz. „Hört auf, nur an den Profit und die nächste Wahl zu denken! Handelt jetzt, denn der Klimawandel wird die Welt zu einem unfreundlichen Ort machen und die Zivilisation bedrohen.“

Ihre Stuttgarter Erklärung richteten die Jugendlichen auf der Veranstaltung Mitte Juli auch an die Wahlkämpferin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel hatte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem Grußwort bedacht und darin die Bedeutung eines „wirklich zukunftsweisenden Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll“ auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember hervorgehoben.

Nicht nur ein Aufruf an Regierungschefs ging von dem Kongress „Energie und Klima“, einem Kern-Programmpunkt des siebentägigen Festivals, aus. Die Jugendlichen appellierten auch an ihre Altersgenossinnen und -genossen weltweit, sich ernsthaft zu einer ressourcenschonenden Lebensweise zu verpflichten – unter vielem anderem durch das Abschalten von Klimaanlagen, durch weniger Fleisch auf dem Teller und durch weniger Fahrten mit dem Auto.

Einen Beitrag zu dem Kongress „Energie und Klima“ lieferte der Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Günther Bachmann. Sein Eröffnungsvortrag Climate Action: Thinking Big diente den Jugendlichen zur Vorbereitung auf klimaethische Workshops im Rahmen des Fachkongresses.

Energieeffizienz systematischer Bestandteil jeglicher Ökonomie

Bachmann sagte in Stuttgart, er beneide seine jugendlichen Zuhörer, denn sie hätten die Chance, die Welt im Jahre 2050 zu erleben. Zu diesem Zeitpunkt werde die Nutzung erneuerbarer Energien weit über das heute für machbar gehaltene Maß hinausgewachsen sein, werde beim Einsatz fossiler Energieträger geradezu revolutionär wenig CO2 ausgestoßen und Energieeffizienz zu einem systemischen Bestandteil jeglicher Ökonomie geworden sein. Bachmann schloss seine Szenario-Schilderung mit den Sätzen: „Falls Sie das alles nicht sehen, wird es sehr heiß sein. Falls Sie all dies nicht bis zum Jahre 2050 geschafft haben, wird der Planet anders sein. Er wird kein Planet sein, auf dem es sich besser leben lässt.“

Bachmann zitierte den amerikanischen Klimaschützer Al Gore: Der Klimawandel sei in der Tat das, was Gore als „Inconvenient Truth“, als unbequeme Wahrheit, bezeichnet habe. Aber für Menschen, die bereit seien, veraltete Denkmuster und veraltete Wirtschaftsstrukturen abzuschaffen, sei diese Wahrheit in Wirklichkeit keineswegs unbequem, sondern ein Ansporn. Solche Menschen seien in der Lage, im Klimawandel eine Chance zu Veränderung im Sinne von Nachhaltigkeit zu erkennen.

Der Gastgeber des Unesco-Festivals, der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, dankte den Jugendlichen für ihre Ideen und ihre Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Sie hätten gezeigt, wie viel Herzblut sie für dieses Thema einbrächten und wie sie wirklich versuchen wollen, in kleinen Schritten positive Veränderungen zu erreichen.

Weitere Informationen: www.nachhaltigkeitsrat.de



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