„Grüne“ Gebäude taugen als Weg aus der Krise

Ein grundlegender Wandel in Richtung Energieeffizienz könnte dem Bausektor nach Meinung von Experten den Weg aus der Wirtschafts- und Finanzkrise weisen. Zumindest für Investoren sind „grüne“ Gebäude offenbar schon heute eine sichere Bank. In den Vereinigten Staaten erzielen sie mit nachhaltig errichteten Immobilien bereits deutlich höhere Mietpreise als mit herkömmlichen Gebäuden.

Auf drei bis sechs Prozent im Jahr veranschlagt die in London ansässige Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) die möglichen Mehreinnahmen für Vermieter nachhaltiger Gebäude. Der Vereinigung von Immobilienfachleuten und Sachverständigen zufolge steigt durch die höheren Mieteinnahmen auch der Verkaufswert erheblich. Er, so die RICS-Experten, liege um bis zu 16 Prozent über dem Niveau konventioneller Immobilien. „Jedes Unternehmen, das seine Gewinne erhöhen und wettbewerbsfähig bleiben will, sollte daher anfangen, die Energieeffizienz zu erhöhen“, so RICS-Chefökonom Simon Rubinsohn.

Noch sind „grüne“ Immobilien allerdings ein Nischenprodukt. Nach Experten-Einschätzung liegt das nicht zuletzt an mangelnden Informationen über Kosten und Nutzen nachhaltigerer Bauweisen. Zudem, kritisiert das internationale, auf Immobilien spezialisierte Beratungsunternehmen CB Richard Ellis (CBRE), hätten Bauherren heute noch mit teilweise undurchsichtigen Zertifizierungsanforderungen zu kämpfen.

Standortvorteil Deutschland

Für Deutschland sieht CBRE-Fachmann Jan Linsin jedoch einen Standortvorteil. Durch die bereits „rigiden Anforderungen an die Energieeffizienz von Immobilien“ verfüge die Bundesrepublik über vergleichsweise „sehr hohe Standards, die andere Länder erst langsam erreichen“. Linsin verweist neben hiesigen Energieeinsparverordnungen auch auf das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen, das die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung seit Anfang des Jahres vergeben.

Das Gütesiegel berücksichtigt ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und gibt Zielwerte für „grüne“ Gebäude vor. Bislang wurden allerdings erst wenige Immobilien mit dem Siegel ausgezeichnet, auch können derzeit nur Büro- und Verwaltungsgebäude den Zertifizierungsprozess durchlaufen. Anforderungen für neue Gebäudetypen wie Bildungs- und Industriebauten sowie für ganze Stadtquartiere sollen erst in den nächsten Monaten folgen.

Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V. (DGfM) bezweifelt indes, dass „grüne“ Gebäude derzeit hierzulande genügend Schub bekommen. Sorge bereiten dem Interessenverband die sinkenden Zusagevolumina im Förderprogramm „Ökologisch Bauen“ der staatlichen KfW-Bankengruppe. Sie lägen dieses Jahr um 23 Prozent unter den Werten des Vorjahreszeitraums. Die DGfM fordert daher eine „sofort wirksame Umweltzulage“ für Neubauten in Höhe von 100 Euro pro Quadratmeter, die auf 15.000 Euro je Wohnung begrenzt werden könnte.

Eine solche Prämie könne im Gegensatz zur Abwrackprämie für Autos, bei der ein Großteil der Gelder ins Ausland fließe, den konjunkturellen Einbruch der Baubranche „durch lokale Nachfrage abfedern und die Binnenkonjunktur sinnvoll stärken“, heißt es in einer Verbandsmitteilung. Die staatliche Unterstützung könne helfen, den befürchteten Anstieg der Arbeitslosenzahlen aufzuhalten und gleichzeitig, so der Dachverband der Mauerstein erzeugenden Industrie, die Energieeffizienz von Neubauten gegenüber Altbauten um den Faktor vier erhöhen.

Weitere Informationen: www.nachhaltigkeitsrat.de



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