Ergebnisse der DTV-Klimakonferenz: An der Erderwärmung gibt es keine Zweifel – Anpassung an Klimawandel mindert Risiken für Tour

Ergebnisse der DTV-Klimakonferenz

„Haben Sie vor, eine Agentur für Arktis-Reisen zu gründen, dann behalten Sie im Hinterkopf, dass ihr Zielgebiet jedes Jahr kleiner wird.“ Drastisch formuliert Umweltjournalist Jürgen Vogt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Tourismus ausübt. Vogt moderierte die erste Tagung des Deutschen Tourismusverbandes e.V. (DTV) zum Thema Tourismus, Biodiversität (Biologische Vielfalt) und Klimawandel.

Der programmatische Titel „Klimawandel fordert Tourismuswandel“ lockte über 200 Teilnehmer aus Tourismus, Wirtschaft und Politik nach Berlin. Namhafte Wissenschafter und Praktiker aus dem In- und Ausland loteten Risiken und Chancen für die biologische Vielfalt und den Tourismus in Deutschland aus.

Die Abhängigkeit ist wechselseitig: Tourismus trägt nicht nur zum Klimawandel bei, als stark wetter- und landschaftsabhängiger Wirtschaftszweig ist er auch in besonderer Weise davon betroffen. Die Auswirkungen der weltweiten Erwärmung werden auch in Deutschland die touristischen Akteure zu Anpassungsmaßnahmen zwingen. Wie genau wird sich der Klimawandel auf die deutschen Urlaubslandschaften auswirken? Welche Handlungsoptionen haben Tourismusunternehmen, -gemeinden und -regionen? Gibt es für sie neben steigenden Risiken vielleicht auch Chancen, die der Klimawandel mit sich bringt?

Unsicherheiten, Widersprüche, Halbwahrheiten.

Diese Fragen werden in der (Fach-)Öffentlichkeit spätestens seit Veröffentlichung des 4. Klimareports des Weltklimarates Anfang 2007 intensiv diskutiert. „Die Debatte ist jedoch von vielen Unsicherheiten, Widersprüchen und Halbwahrheiten geprägt, und sowohl Touristiker als auch Nachfrager zeigen sich zunehmend verunsichert“, bringt es Prof. Dr. Wolfgang Strasdas von der Fachhochschule Eberswalde auf den Punkt. Strasdas leitet den Studiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Stefan Gössling, FH Eberswalde und Universität Lund/Schweden, verantwortete er federführend die inhaltliche Ausrichtung der Klimakonferenz. Mit dem renommierten Institut BTE Tourismusmanagement und Regionalentwicklung organisierte der Studiengang die Klimakonferenz im Auftrag des DTV. Diese wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz und mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, forderte eine Mitverantwortung der Tourismusbranche für den Schutz der Natur ein. Sie nannte erschreckende Zahlen: „Zwischen 1900 und 1990 gingen 15 bis 20 Prozent der Dünen an der deutschen Nord- und Ostseeküste verloren, im Mittelmeerraum wurden durch den Bau von Freizeit- und Hotelanlagen sogar 40 bis 80 Prozent der Dünenlandschaften verdrängt.“

Biologische Vielfalt als Zukunftsthema

Mit der Konferenz will der DTV „Touristikern, Politikern und Naturschützern einen umfassenden Einblick in die aktuelle Debatte vermitteln“, betonte Reinhard Meyer, Präsident des DTV. Lösungs- und Best-Practice-Möglichkeiten zeigen auf, welche Maßnahmen Leistungsträger schon auf den Weg gebracht haben. Meyer: „Der Deutschlandtourismus reagiert und handelt – und übernimmt eine Vorreiterrolle.“ Klimawandel und biologische Vielfalt sind laut Meyer „die großen Zukunftsthemen“. In seinem auf der Tagung veröffentlichten Positionspapier „Tourismus, Umwelt und nachhaltige Entwicklung in Deutschland“ ruft der DTV zum „aktiven Einsatz zum Erhalt der vielfältigen Natur- und Kulturlandschaftsbilder in Deutschland“ auf. In seinem Grußwort warnte Ernst Hinsken, Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus, davor, das Kind mit dem Bade auszuschütten: „Wir brauchen nicht weniger Tourismus, sondern intelligenten Tourismus! Nachhaltigkeit“, so mahnte Hinsken, „zielt in gleichem Maße auf angemessenes Wirtschaftswachstum, soziale Sicherung und ökologisches Gleichgewicht.“

Wintertourismus in Gefahr

Im Tagungshotel Steigenberger Berlin, das die Organisatoren ausgewählt haben, weil es die Konferenz klimaneutral ausrichten konnte, ging es hoch her. Sechs Stunden lang beleuchteten Wissenschaftler, darunter Prof. Manfred Stock vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und Prof. Daniel Scott (Kanada), Lead-Autor der Studie "Climate Change and Tourism - Responding to Global Challenges" für die Welt-Tourismusorganisation UNWTO, den Themen-Dreiklang Klimawandel, Biodiversität und Tourismus von allen Seiten. Fazit der Tagung: Es gibt keinen wissenschaftlichen Zweifel mehr an der Erderwärmung. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Temperaturzunahme bis Ende des Jahrhunderts beschleunigen wird. „Wegen seiner starken Abhängigkeit von Landschaften, Biologischer Vielfalt sowie den direkten und indirekten Klimabedingungen ist der Tourismus besonders betroffen“, fasste Jürgen Vogt das Tagungsergebnis zusammen, „vor allem wird der Wintertourismus in den Mittelgebirgen in Mitleidenschaft gezogen“, denn die Schneehöhen werden immer geringer, und die Schneesaison wird kürzer. Dagegen könnte der Sommertourismus, vor allem an den Küsten, von einer Temperaturzunahme profitieren. Vogt: „Das ist allerdings von sehr vielen Faktoren anhängig.“ Alle Akteure, so das eindeutige Ergebnis der Tagung, „müssen sich dem Klimawandel anpassen, um Risiken zu mindern und von Möglichkeiten zu profitieren“ (Vogt). Zwar werden wir „nicht gleich sterben“, aber die Tourismusbrache muss das Thema sehr ernst nehmen. Über die nächsten Jahrzehnte muss eine Umstrukturierung stattfinden.

Weitere Informationen: www.tourismus-klima.de



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